Verwaltungsstruktur, Politik und Statistik: Pfarre: Vezovatá Pláne Von 1855 - 1948 war der Ort Bestandteil des Gerichtsbezirkes Krumau und eine selbständige Gemeinde. Von 1949 - 1960 gehörte Vežovatá Pláne dann zum Bezirk Kaplice, von 1960 - 2002, als die Bezirke aufgelassen wurden und im südböhmischen Kreis aufgingen, war der Ort wieder Teil des Bezirkes Krumau, heute ist er wieder eine selbständige Gemeinde, die erste Klimabündnisgemeinde Tschechiens übrigens. Vezovatá Pláne gehört im Bezirk Krumau zu den Gemeinden mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit. Ausserdem war bei den letzten Parlamentswahlen der Anteil der Kommunisten mit etwa 5 % republiksweit sehr niedrig, jener der Grünen mit 18 % überraschend hoch, die Wahlbeteiligung bei der EU-Abstimmung mit 83 % dafür die zweithöchste Im Bezirk Krumau. Die sieben Vertreter im Gemeinderat sind wie in Tschechien sehr verbreitet nicht Mitglied einer Partei, einige davon kandidierten als Parteilose aber für die Christdemokraten (KDU). Einwohner und Häuser: Bis zum 17. Jahrhundert lebten im Dorf nur Tschechen. Erst nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) kamen die ersten Deutschen hierher. Im Jahre 1910 wohnten hier 64 deutsch- und 39 tschechischsprachige Einwohner in 14 Häusern. In den 30-er Jahren glich sich das Nationalitätenverhältnis auf 45 deutsch- und 45 tschechischsprachige Bewohner an, die dann ein Ausländer ergänzte. Nach der Aussiedlung der Deutschsprachigen zogen neue Siedler zu. Heute wohnen etwa 110 Menschen in der Gemeinde Vezovatá Pláne. Kirche der Hl. Anna und Pfarre Anstelle der alten Burg ließ das Kloster Zlatá Koruna (Goldenkron) im Jahre 1786, nachdem im Jahr zuvor im Ort eine Pfarrlokalität eingerichtet wurde, eine kleine Holzkirche errichten. Auch die Matrikel- und Gedenkbuchaufzeichnungen begannen 1786. Nach dem Bau der neuen, gemauerten Kirche im Jahre 1800 diente diese ursprünglich auch als Gemeindehaus. Das Patronat über die Kirche hatte von 1786 bis 1818 das Kloster Vyšší Brod (Hohenfurth) inne, danach die náboženská matice (Religionsverein). In den Jahren 1819 - 1824 gab es hier aber keinen Pfarrer. Die Pfarre selbst entstand 1857. Zum ursprünglich einschiffigen Gebäude mit Flachdecke wurde im Jahre 1870 ein Turm mit Barockkuppel angebaut, der später aber durch einen solchen mit pyramidenförmigem Dach ersetzt wurde. Im Inneren hängt am Hauptaltar ein Bild der Heiligen Anna, an den Nebenaltären befinden sich Bilder des Heiligen Linhart und der Jungfrau Maria von den Schmerzen (alle aus dem Jahre 1855, gemalt von Karl Phillipota). Die Schnitzarbeiten an den Altären und im Kanzelbereich wurden 1800 - 1804 von den Meistern V. und L. Mayer ausgeführt. 1865 und von 1913 - 1915 wurde die Kirche renoviert, die hiesige Orgel stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Schule/n: Im Jahre 1788 entstand im Ort eine sogenannte Utraquistenschule (zweisprachig). Die Gemeinde war ja was die Nationalitäten betrifft damals gemischt, deswegen unterrichtete man bis 1875 hier sowohl tschechisch als auch deutsch, wobei bis 1869 der zweisprachige Unterricht nur von tschechischen Lehrern organisiert wurde. Als nach 1875 dann Tschechisch als Unterrichtssprache abgeschafft wurde, gingen die tschechischen Kinder in die Deutsche Schule weiter, im Jahre 1900 waren es 26. Eine selbständige tschechische Schule entstand im Jahre 1906 in einem interessant errichteten neuen Gebäude mit Giebeln und Türmchen im Neorenaissance-Stil. Im Jahre 1907 waren hier 38 Schüler/innen und 1828 bereits wurde die Schule mit 43 Kindern zweiklassig geführt (in die Deutsche Schule, dem heutigen Gemeindegasthaus, gingen damals einklassig 37 Kinder). Am Turm dieser tschechischen Schule (die feierliche Eröffnung wurde am Beginn des 20. Jahrhunderts von den damals noch österreichischen Behörden untersagt, sie fand trotzdem statt) ist bis heute folgende Aufschrift angebracht: Venuje NJP Ceské barácnictvo (gewidmet von der Nationalsektion Vorböhmerwald des tschechischen Kleinhäuslerverbandes). Und an der Wand neben dem Eingang hängt eine Tafel mit dieser Aufschrift: Památce Jaroslava Jerábka (1867 - 1922), menšinového pracovníka pro tento kraj, príznivce a bojovnika za tuto školu. Staromestský odbor NJP v Praze. Veleobec Ceskoslovenského barácnictva Vitoraz. (Zur Erinnerung an Jaroslav Jerábek, (1867 - 1822), Minderheitenarbeiter für diese Region, Anhänger von und Kämpfer für diese Schule. Altstädter Abteilung der Nationalsektion Vorböhmerwald in Prag. Großgemeinde Vitoraz-Weitra des Tschechoslowakischen Kleinhäuslerverbandes.) Während des Zweiten Weltkrieges wurde im Ort wieder nur mehr deutsch unterrichtet, ab dem 16. Juni 1945 nur mehr tschechisch. Damals war die Schule mit 40 Schülern zweiklassig. Neben den Kindern aus Vežovatá Pláne selbst gingen auch welche aus den Ortschaften Horní Pláne, Buchtice und Stritež hier zur Schule. Im Jahre 1972 wurde sie dann aufgelassen und die verbliebenen acht Schüler in Zubcice und Kaplice weiter unterrichtet. 2002 wurde diese ehemalige Tschechische Schule hübsch renoviert und dient nun mit 20 Betten als Blaue Pension (www.modrypenzion.unas.cz) Urlaubern und anderen Interessierten, die Vežovatá Pláne und die Region zwischen Kaplice und Krumau genauer kenne lernen möchten zum Übernachten. Gaststätten, Post und Perspektive: Vor dem Krieg gab es in der Gemeinde das Gasthaus Pražan (ein Zweibettzimmer), das über deutsch-tschechisches Personal verfügte und das Staffl (ein Einbettzimmer), das nur deutschsprachiges Personal hatte. Während der deutschen Okkupation wurde hier 1941 die Besatzungspostverwaltung Thurmplandles/über Krumau/Moldau eingerichtet, die aber 1945 wieder aufgelassen wurde. Heute wird Vežovatá Pláne postmäßig von Velešin aus betreut. Die
ehemalige Deutsche Schule unterhalb der Kirche dient mitlerweile als Gemeindegasthaus
und soll in Zusammenarbeit auch mit österreichischen Organisationen (www.energiepartnerschaft.org)
als Solarschulungszentrum zu einem Gegenmodell zum AKW Temelín ausgebaut
werden. Jedenfalls wurde dieses Projekt, das in seiner kulturhistorischen
Dimension zu einer wichtigen Brücke zwischen Österreich und Tschechien
werden kann, u.a. durch eine Förderung der EUREGIO und den Grünpreis 2003
unterstützt und insofern auch ausgezeichnet. Sonstiges: Im Ort (Kozí Plán) befindet sich ein Lift, der im Winter zu einem beliebten Skiort geworden ist. Der Betreiber Václav Mazák besitzt eine Schlosserei im Ort. Weiters gibt es im unteren Ortsbereich (Dolní Pláne) einen großen Bauernhof, geführt von Josef Mach, bekannt geworden als jener tschechische Bürgermeister, der sich als erster mit dem österreichischen Temelín-Widerstand solidarisierte. Der Naturpark Poluška, rund um den gleichnamigen Berg südlich des Ortes gelegen, gilt mit seinen ausgedehnten Wegen als Wanderparadies im südböhmischen Grenzgebiet. Text: Bernhard Riepl, Quelle: Podhola Roman, Výlety za zajímavostmi Ceskokrumlovska, C. Krumlov, 2003
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