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2002

Gemeinde will Windkraftwerk

Respekt Nr. 9/2002 Polemik von Ivan Brezina, Reporter für das Magazin QUO

"Wir und unser Temelín"
Rückmeldungen von Gegnern des Risikos, das die Atomkathedrale mit sich bringt

 

Gemeinde will Windkraftwerk

MFDnes, südböhmische Regionalbeilage, Samstag, 16.3.2002 Autor: Antonín Pelisek Übersetzung: Bernhard Riepl

Vezovaté Pláne - Nach mehrjähriger Zusammenarbeit im Bereich der Energieberatung möchte eine Gemeinde bei Kaplitz eine erste Demonstrationsanlage zur Energieerzeugung aus Sonne und Wind errichten. Am Gebäude des Gemeindeamtes soll heuer eine Solaranlage zur Warmwassergewinnung installiert werden, auch ein kleines 7-KW Windkraftwerk ist geplant.

Das Werk wird von einer tschechisch-österreichischen ökologischen Gesellschaft unterstützt, die eine Sammlung zur Förderung erneurbarer Energien durchführt. "Wir bekamen die Zusage, die Zinsen der Sammlung verwenden zu können. Das könnte um die 40 000 Kronen ausmachen", meint Bürgermeister Josef Mach über die Startgelder. Daß die kleine tschechische Gemeinde auch aus Österreich unterstützt wird, hat seine Wurzeln laut Mach auch in der langjährigen Gemeindepartnerschaft mit Hirschbach in Österreich. "Wir treffen uns regelmäßig auch in kulturellen Angelegenheiten. Unsere Beziehungen wurden weder durch die Grenzblockaden noch durch die Proteste gegen Temelín unterbrochen. Bei uns sind die Leute auch gegen das AKW", sagte Mach. Warum sind die Leute aus dem tschechsichen Grenzgebiet nicht der Pro-Temelín-Kampagne erlegen und geben den Österreichern recht? "Das kann sich doch jeder ausrechnen, daß, wenn CEZ die Kilowattstunde Strom um 1,20 Kronen erzeugt aber um 80 Heller verkauft, daß wir da alle zusammen mitzahlen müssen", erläutert Václav Mazák, ein Bewohner von Vezovaté Plane.

Bürgermeister Mach ärgert darüber hinaus auch, daß auf der tschechischen Seite die Unterstützung für alternative Strom - und Wärmeerzeugungsmethoden noch immer recht gering ist. Bürgermeister Mach behauptet, daß am Desinteresse an alternativen Energiequellen der Einfluß der Monopole zu sehen ist. "Als wir die Stromleitungen ins Binnenland zu uns verlegten, mußten wir die Verteilungsstruktur dann CEZ übergeben. Die Firma drohte, daß sie uns ansonsten keinen Strom liefern würde," führte er an. Für Mitte März plant die Gemeinde deshalb ein Treffen zu den geplanten Projekten, wo Österreicher und auch tschechische Abgeordnete eingeladen werden.

Die Unterstützung der alternativen Energiegequellen bestätigte auch der Vorsitzende der österreichischen Stiftung Bernhard Riepl. Die Sammlung mit dem Namen "1000 Schilling für Sonne ("und Freiheit" wurde im tschechischen Original ausgelassen, Anm. d. Ü.), wo vor allem Österreicher beitragen, soll einen Fond bilden, aus dem nach dem Abstellen von Temelín ökologische Energieerzeugungsmaßnahmen auf beiden Seiten der Grenze unterstützt werden. Die Zinsen aus den bisher etwa 80 000 EURO (müßte richtig heissen "8 000", siehe www.energiepartnerschaft.org, Anm.d.Ü.) in der Sammlung, was etwa 250 000 Kronen ausmacht, möchten die Österreicher aber schon jetzt für Projekte verwenden, obwohl die tschechsiche Regierung Temelín noch nicht aufgegeben hat. Die Sammlung wächst laut Riepl laufend an.

Antonín Pelisek
Übersicht


Respekt Nr. 9/2002 Polemik von Ivan Brezina, Reporter für das Magazin QUO

Die Verehrer der Reinheit

Der Anti-Temelín-Feldzug der Braunen und der Grünen bedroht die europäische Integration

In Melk sind wir in die Knie gegangen und haben über das Übliche hinaus den Einfluss Temelíns auf die Umwelt überprüfen lassen. Obwohl sich neuerlich herausstellte, dass sein Einfluss "niedrig, unbedeutend und akzeptierbar" ist (und obwohl der Kommissar für die EU- Erweiterung Verheugen Temelín als eines der sichersten Atomkraftwerke der Welt bezeichnet hat), verpflichteten wir uns, Hunderte von Millionen in die weitere Verbesserung überflüssiger Sicherheitsmassnahmen zu investieren. Die Antwort auf beide Gesten des guten Willens war das Anti-Temelín-Volksbegehren, das mit einem Veto gegen unseren EU-Beitritt drohte. Den Naivlingen, die nicht verstehen, was diese Österreicher ständig wollen, machte der Namensvetter des Kärntner Landeshauptmanns Hans (muss wohl ein Irrtum Brezinas sein, Anm. d. Ü.) Haider von der FPÖ alles klar, der nach den Lidove Noviny wörtlich sagte: "Wir wollen kein sicheres Temelín, wir wollen ein geschlossenes Temelín!"

Schrottpolitik
Das Volksbegehren führte in Österreich zu einer Regierungskrise. Ein schadenfreudiger Prager Beobachter könnte etwas über eine unsichere und unzuverlässige "Schrottpolitik" von sich geben. Solange haben sich unsere Nachbarn in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates gemischt, solange haben sie widerrechtlich die Tschechischen Grenzen blockiert und von den Gulaschkanonen ihre Schlachtrufe über den "Schrottreaktor" geschrieen, bis die freigesetzten Emotionen beinahe ihre eigene Regierungskoalition zerbrochen hatte. Das auf Zwang angelegte Volksbegehren der FPÖ war aber nützlich darin, dass es die unklaren Konturen des nachbarschaftlichen Streites durch klares Licht erhellte. Nur der größte Naivling kann heute mehr behaupten, dass Österreich Angst um seine Sicherheit hat, dass es um Wirtschaftlichkeit, oder um die Ökologie des südböhmischen Kraftwerkes geht. Das Volksbegehren zeigte, dass es um ein Stellvertreterproblem geht. In Wirklichkeit ist Temelín nur ein Argument gegen die Erweiterung der Europäischen Union, die sich ein großer Teil der Österreicher aus historischen und wirtschaftlichen Gründen nicht wünscht. Zbynek Petracek fragt, ob uns ein fremder Staat vorschreiben kann, welche energetische Konzeption wir wählen sollen ("Wenn Zeman explodiert", Respekt Nr. 5/2002). Liegt der Fertigbau des AKW-Temelín im Tschechischen Nationalinteresse? Heute zweifelsfrei schon "ja". Wir müssen uns nicht mehr mit der energetischen Selbständigkeit oder mit der Hoffnung für das ökologisch am Boden liegende Nordböhmen auseinandersetzen - das kürzlich abgehaltene Referendum verwandelte die vier von weitem sichtbaren Betontürme in ein Symbol. Lassen wir uns die Staatsdoktrin unserer Nachbarn aufzwingen? Lassen wir uns einschüchtern und werden wir wie Schwächlinge vor all ihren weiteren Forderungen in die Knie gehen, angefangen bei den Benes- Dekreten. Das alles sind nach dem Volksbegehren völlig legitime Fragen. Petracek findet eine der Ursachen des Widerstandes in Wien gegen Temelín in den Nachkriegsressentiments, Michael Völker spricht ein paar Seiten weiter über ein Aufmischen einer Anti- Tschechischen Stimmung (Rozbroj ve Vídni, Respekt Nr. 5/2002). Es sieht so aus, dass wenn das Kraftwerk nicht wäre, es die österreichischen Nationalisten errichten müssten. Wo sonst fänden sie ein besseres Ziel der Rache für das Zerschlagen des musilschen Kakaniens durch unsere Großväter? Wo sonst fänden sie ein idealeres Thema zum Export ihres heimischen Polit-Dilettantismus in den Nachbarhof? Wo sonst würden sie ihren Minderheitskomplex in der Form des nie in Betrieb gegangenen Zwentendorf kompensieren. Gustav LeBon würde wahrscheinlich über das Erliegen der Masse einem charismatischen Führer gegenüber sprechen, Sigmund Freud über "den Narzissmus der kleinen Unterschiede", in dessen Konsequenz einander benachbarte und verwandte Gesellschaften gegenseitig quälen und mit Lächerlichkeiten verfolgen.

Waffenbrüder
Das alles sind zwar dankbare Impulse zu den Debatten von Kaffehaus-Intellektuellen, die Ursache des österreichischen Widerstandes zum tschechischen Atom ist aber viel prosaischer: ein virtuelles Problem wurde gekonnt von einer grünen Internationale fabriziert. Unmittelbar nach dem Fall des eisernen Vorhanges im Jänner 1990 raste ein Propaganda-Autobus der österreichischen Greenpeace-Filiale richtung Tschechoslowakei und verteilte Flugblätter mit dem Schlachtruf "Stop CSSRNOBYL! Diese Ausfahrt endete damals mit einer großartigen Blamage. Den Katastrophenbericht, dass in der Umgebung des Uranbearbeitungsbetriebes MAPE Mydlovary eine Krebs- und Leukämie-Epidemie ausgebrochen war, bezeichneten die Experten als absoluten Unsinn. Die Grünen hinderte das aber nicht, Temelín die ganzen 90er Jahre über auf der internationalen Agenda zu halten. Unter den Geschützen ihrer emotionellen Argumente wuchs die Angst der Österreicher. Als sich die Freiheitliche Partei des Themas annahm, gerieten die tschechischen und österreichischen Ökologisten in eine schizophrene Situation. Auf der einen Seite erhielten sie in Haider einen mächtigen Verbündeten, auf der anderen Seite wollten sie sich öffentlich nicht die Hand mit einem Politiker schütteln, der sich lobend zum Hitler-Regime äußert. Ein stilles Bündnis belegt aber z.B. die Blockade der Wiener Zentrale der Volkspartei im November letzten Jahres. Aktivisten von Global 2000 und Greenpeace sprachen dabei davon, dass ein gemeinsamer Druck der Öko-Organisationen mit den Freiheitlichen nötig sei, der die ÖVP dazu verpflichten sollte, bei den Beitrittsverhandlungen der EU mit der Tschechischen Republik im Bereich der Energie wegen Temelín dem Abschluß nicht zuzustimmen.

Eine Chamäleon-Taktik wandten die Grünen auch heuer im Jänner an. NGOs distanzierten sich zwar offiziell von Haiders Volksbegehren, der österreichische Beauftragte Pavlovec jedoch gab in seinen Presseberichten zu, dass er es in Wirklichkeit unterstützte. Noch interessanter aber ist die Tatsache, dass es eigentlich schon um das zweite österreichische Referendum zu Temelín ging. Den ersten Versuch unternahm nach außen hin eine Koalition tschechischer "Sozialökologen" im Frühjahr 2000. Es endete ohne Erfolg. Vacláv Havel philosophierte damals über die Notwendigkeit der "demokratischen Diskussion", die Petition für das Referendum unterschrieben 120 000 Leute inklusive Petr Pithard, Vladimír Mlynar, Ivan Klíma, Erzbischof Graubner, Mitglieder der Musikgruppe Lucie und andere Berühmtheiten. Die ganze Aktion schaute aus, wie eine spontane Willenskundgebung der tschechischen Zivilgesellschaft, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, da klar wurde, dass die beiden Hauptpropagatoren des Referendums (Hnuti Duha und die Südböhmischen Mütter) für ihren Kampf gegen Temelín Geld aus Österreich nehmen.

Das zweite Referendum
Das zweite Wiener Referendum, organisiert im heurigen Jänner von den Haiderischen Extremisten, war zumindest schon besser erkennbar. Der Streit um das Kraftwerk bestätigte neuerlich das abgegriffene Bonmot darüber, dass scheinbar extreme Pole im politischen Spektrum zueinander oft viel näher haben, als es auf den ersten Blick aussieht. Zwischen der grünen Linken und der braunen Rechten lassen sich eine Reihe von Ähnlichkeiten feststellen. Beide Gruppen kämpfen gegen die Verunreinigung (egal ob in Form rauchender Kamine und radioaktiver Verstrahlung oder als "schmutzige Ausländer"), beide versuchen, uns ihre technikfeindliche Vorstellung über die unausweichliche Verwerflichkeit des Atoms aufzuzwingen. Die Kriegsrethorik der Freiheitlichen nahmen gewalttätige Blockaden von Temelín vorweg, organisert von tschechischen Ökologisten. Damit haben sie jenem Kärntner Landeshauptmann die Atomkeule auf "diese Tschechen" in die Hand gegeben. Haider ruft nach der Blockade unseres EU-Beitritts Die grünbraune Koalition, nationalistische Leidenschaften brütend, wird so zu einer ernsten Gefahr für die sich vereinigende europäische Demokratie.
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Wir und unser Temelín"
Rückmeldungen von Gegnern des Risikos, das die Atomkathedrale mit sich bringt

Respekt Nr. 11/2002

Antworten auf die Polemik von Ivan Brezina, die im Respekt Nr.9/2002 abgedruckt wurde.

Beziehungen sind eine Sache der Menschen

Ich hab mich daran gewöhnt, die Artikel, in denen sich Herr Brezina mit ökologischen Fragen beschäftigt, eher zu ignorieren. Er schreibt schöne Reiseberichte, aber mit der Ökologie, so scheint es, hat er kein rechtes Glück. Worin irrt sich Herr Brezina in seinem Artikel "Uctívaci cistoty" (damit ich nicht den Begriff "lügt" verwenden muß)?

Ich beginne von hinten. In seinem Versuch, bei grünen Öko-Aktivisten (links-orientiert, wie er sehr vereinfachend behauptet) braune Flecken zu entdecken, behauptet er, daß die Grünen gegen die Naturverschmutzung und wie die Rechtsradikalen auch gegen die "schmutzigen Ausländer" auftreten. Schon diese Begriffe sind eines seriösen Journalisten nicht würdig. Aber hauptsächlich hat er nicht recht.

Wer die österreischische politische Szene nur ein bisschen kennt, muß wissen, daß gerade die Grünen die härtesten Kritiker von Haider´s Xenophpbie und der Art und Weise waren, sich mit der notwendigen, aber nicht sehr sachlichen Diskussion über die "Benes-Dekrete" auseinanderzusetzen. Brezina schreibt, daß die österreichischen Ökologen mit Haider einen mächtigen Verbündeten erhielten.

Genau das Gegenteil ist wahr. Wenn in Österreisch ein Referendum gewesen wäre über die Frage "Unterstützen Sie eine Politik, die versucht, eine bessere Alternative zu Temelín zu finden?" hätte vermutlich 80 % der Bevölkerung mit "ja" geantwortet. Bloß die Menschen - und insbesondere die Grünen sind in dieser Frage besonders sensibel - wissen, wozu ein Haider fähig ist. Sie hatten Probleme damit, wie das Volksbegehren durchgeführt wurde. Deshalb haben es auch viele Leute abgelehnt, denen das Risiko aus Atomkraftwerken nicht vertretbar erscheint.

Ich bin einer von ihnen. Ich verbrachte vier Jahre in Budweis und erlebte hautnah, wie in Tschechien die Grenzblockaden aufgenommen wurden. Ich kenne auch sehr viele Menschen zwischen Linz und Budweis, die ich als Freunde bezeichnen würde, unabhängig davon, ob sie für oder gegen Temelín sind. Das ist eine Sache der persönlichen Entscheidung, ob man das vorhandene Risiko akkzeptiert, oder nicht.

Herr Brezina aber verzerrt Sachverhalte, versucht ein Gefühl des "Wir und unser Temelín" zu kreieren und es angeblichen österreichischen Versuchen, die Geschichte zu revidieren, entgegenzustellen. Egal, ob er dabei bei der Wahrheit bleibt, oder diese verläßt. Aber Haider ist nicht Österreich, so wie auch Zeman nicht Tschechien ist. Herr Brezina irrt auch im Titel, wo er schreibt, daß "der Anti-Temelín-Feldzug der Braunen und der Grünen die europäische Integration bedroht". Ich könnte eine Reihe von Beispielen anführen, daß genau das Gegenteil der Fall ist. Wieviele Menschen sich in den letzten 15 Monaten gerade wegen Temelín erstmals getroffen haben und wieviele Kontakte dabei entstanden, das ist unglaublich.

Genau dies ist die beste Voraussetzung für eine echte europäische Integration. Stoiber, Klaus und Haider oder Zeman sind nicht die Schöpfer des neuen Europa. Europa formen die jungen Leute, die das Gerede darüber, wie schlecht die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern seien, nicht mehr hören können. Beziehungen sind eine Sache der Menschen, und dort gibt es keine Probleme.

Bernhard Riepl
Der Autor ist Mitglied der oberösterreichischen Grünen


Greenpeace und fanatische Aktivisten
Daran, daß das grundlegende Arbeitsinstrument des Ivan Brezina Beleidigungen und Verleumdungen sind, habe ich mich schon gewöhnt. Auch sein Artikel "Uctívaci cistoty" im Respekt Nr. 9 ist keine Ausnahme.

Greenpeace hat keine Katastrophenmeldungen verbreitet, dass in der Umgebung des Betriebes MAPE Mydlovary, wo man Uranerz verarbeitet hat, eine Krebs- und Leukämie-Epidemie ausgebrochen ist, sondern darauf aufmerksam gemacht, dass es hier in den 60er Jahren zu einem rätselhaften Massensterben von Rindern kam, bei denen die Tierärzte als eine von vielen möglichen Ursachen Leukämie angegeben hatten.

Hauptsächlich aber entdeckte Greenpeace bei der MAPE wilde Lager mit hochradioaktivem Material, und zwar an öffentlich zugänglichen Orten, wo z.B. Kinder zum Spielen hingingen. Brezinas Satz "Die ganze Aktion (Referendum über die Inbetriebnahme Temelins, Anm. d. Ü.: dies war der Anfang 2000 unternommene Versuch von über 100 Organisationen, zu Temelín ein Referendum (dabei unterschrieben über 100 000 Leute) dem Volksbegehren der FPÖ Anfang 2002) schaute aus, wie eine spontane Willenskundgebung der Tschechischen Zivilgesellschaft, aber nur bis zu dem Zeitpunkt, da klar wurde, dass die Hauptpropagatoren des Referendums (Hnuti Duha und Südböhmische Mütter) für ihren Kampf gegen Temelín Geld aus Österreich bekamen", ist ein weiteres Zweckgeplapper.

Sowohl die Südböhmischen Mütter als auch Hnuti Duha haben nie verheimlicht, dass sie für einige ihrer Projekte Unterstützung verschiedener internationaler Stiftungen, u.a. aus Österreich erhielten. Brezina geht es nicht darum, über Polemik zur Wahrheit zu kommen. Ihm geht es um ein Einziges: darum, die rein inhaltliche Auseinadersetzung um ein Atomkraftwerk dadurch zu vernebeln, dass er nationalistische Emotionen schürt ("Lassen wir uns die Staatsdoktrin unserer Nachbarn aufzwingen?"), und jene, die gegen Temelín sind als nationale Verräter und Faschisten zu verleumden ("Zwischen der grünen Linken und der braunen Rechten lassen sich eine Reihe von Ähnlichkeiten feststellen. Beide kämpfen gegen die Verunreinigung, egal ob in der Form rauchender Schlote oder radioaktiver Verseuchung, oder als "schmutzige Ausländer"").

Nichts davon kann mich überraschen. An seinen journalistischen Fähigkeiten zweifeln nämlich nicht nur "grüne Schreiberlinge" sondern auch seine Kollegen aus der publizierenden Branche. Laut dem ehemaligen Chefredakteur der Lidové Noviny Pavel Safra ist Brezina ein "fanatischer Aktivist und keineswegs ein professioneller Journalist".

Nach Tomas Fertek (Reflex) agiert er mit dermaßen vielen ideologischen, demagogischen und zweckgerichteten Faktenauslegungen, dass all seine Gegner nur als peinliche Winzlinge wegkommen. Ergebnis ist, dass kaum jemand seine Ansichten ernst nimmt und diese eher als privater Dzihad denn als Publizistik angesehen werden." "Respekt" weiß vermutlich, warum er Brezinas Atompropaganda abdruckt. Eventuell geht es um irgendeinen durchdachten Zug, den gewöhnlich passiven Leser zur Aktion zu rufen. Eigentlich ist es ja gut, dass Ivan Brezina, Redakteur für die Zeitschrift Quo (das ist eine Zeitschrift mit halbnackten Mädchen am Umschlag), das Recht hat, sich auch zu allgemeinen Dingen zu äußern.

Petr Vacek
Der Autor ist Schauspieler im Studio Ypsilon und Mitglied des Leitungsrates von Greenpeace Tschechien

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