Aktuelle Pressemeldungen zum AKW-Temelin aus dem Standard 28.11.2001 Feindbildpflege statt Politik? Freda Meissner-Blau 26.11.2001 OÖ Nachrichten: Warum sind Pannen im AKW Temelin so häufig? 19.11.2001:
Regierungsexperte: Nachrüstung Temelins machbar Ttl.: GLOBAL 2000 und Greenpeace gegen Temelin-Mogelpackung der Regierung. Kronberger:
EU-Parlament gegen AKW-freie Zukunft Tschechen erscheinen als Monster, Österreicher als Egoisten PRESSEAUSSENDUNG VEREIN "GEMEINSAM FÜR SONNE UND FREIHEIT" 07112001 Auszüge im Wortlaut - Temelin-Bericht von Umweltminister Wilhelm Molterer Temelin: Neue rechtliche "Hoffnungen" der Atomgegner Greenpeace: Sicherheit statt Schummelklausel zu Temelin Greenpeace:
Schluss mit dem Polit-Desaster um Temelin!
Feindbildpflege
statt Politik? Als sich, aus guten Gründen, in den 70er-Jahren Österreicher und Österreicherinnen gegen das AKW Zwentendorf und die Nuklearisierung Österreichs formierten, wurden wir Fortschrittsverweigerer, Angsthasen, Maschinenstürmer, Handlanger Gaddafis, der Öl-Lobby, der Sowjets, ja sogar Terroristen geschimpft. Das beliebteste Epitheton ornans dabei war "nützliche Idioten". Ich bin in der Zwischenzeit womöglich noch kritischer gegenüber dieser in Wirklichkeit längst obsoleten Technik (zu teuer, zu anfällig, nicht beherrschbar, mit unabsehbaren Folgen für das Leben). Umso schmerzlicher ist es zu sehen, wie ein Konglomerat von Landesfürsten, Revanchisten und Populisten AKW-Gegner, die berechtigterweise Temelín ablehnen, diesmal tatsächlich zu nützlichen Idioten macht, indem man ihnen vorspiegelt, Temelín sei durch ein Volksbegehren zu verhindern, man müsse "nur hart genug sein" (Vizekanzlerin Riess-Passer). Was angesichts der Geschichte flagranter österreichischer Versäumnisse doppelt scheinheilig ist. Der lange Atem... Als die Autorin wenige Monate vor seinem Tod Bruno Kreisky um Rat bat, ob und wie Österreich aktiv zu einer Koalition AKW-freier Länder in Europa beitragen könnte, meinte er, dies sollte und müsse auf diplomatischer Ebene vorbereitet werden. Geschehen ist dieser Zusammenschluss ausschließlich von NGOs, keine der österreichischen Regierungen unternahm auch nur die ersten Schritte, um eine derartige Allianz herzustellen. Genauso wenig wie der von uns wiederholt geforderte Versuch, notwendige Änderungen und Präzisierungen des Völkerrechts, das die spezifischen Gefahren der grenzüberschreitenden Radioaktivität nicht kennt, in die Wege zu leiten. Die Frage Temelín schwelt nun schon seit zwanzig Jahren. Nichts ist unternommen worden, um Tschechien rechtzeitig durch entsprechende Kompensationen zu einem Verzicht zu bewegen oder um auf internationaler Ebene durch überzeugende Szenarien und Vorschläge Verbündete zu gewinnen. Am kläglichsten versagt hat allerdings die derzeitige Regierung: Dass die Tschechen in Brüssel ein intensives und effizientes Lobbying betreiben, ist allgemein bekannt. Statt stringenter Beweise und überzeugender Vorschläge kommen von österreichischer Seite Drohungen, die Osterweiterung zu blockieren. Dümmer geht's nimmer. Mit dem zu erwartenden Resultat, dass sich die Kommission auf die Seite Tschechiens stellt. Temelín gehört nicht betrieben, ist unbestreitbar eine potenzielle Gefahr. (Dabei fällt auf, dass jene Experten, die Temelín die Sicherheits-Persilscheine ausstellten, zumeist direkt oder indirekt Promotoren der Atomenergie sind - wie die Internationale Atomenergie-Organisation, der Leiter des österreichischen Atominstituts, wie auch die Experten der EU-Kommission, welche ihrerseits bekanntlich bei Hilfsprogrammen zur nuklearen Sicherheit säumig ist.) Gegen Temelín sein heißt aber konsequenterweise gegen alle AKW, alle Schnellen Brüter und Aufbereitungsanlagen zu sein, sowohl militärische wie zivile. Denn auch ohne Unfälle ist die Atomenergie mit dem Leben nicht vereinbar. Plutonium, ein hochgiftiges Element, das in der Natur nicht vorkommt, hat eine Halbwertszeit von 24.400 Jahren. Seit dem Bau der Pyramiden ist gerade ein Fünftel davon vergangen. Welches System könnte über derartige Zeiträume verhindern, dass Radioaktivität in die Lebenskreisläufe Eingang findet? ...der Ignoranz Umso merkwürdiger erscheint vor diesem Hintergrund, dass die Vereinten Nationen eine eigene UN-Agentur zur Förderung der Atomenergie geschaffen haben, ausgestattet mit großzügigsten Mitteln, für die wir alle zahlen (auch für Euratom). Als wir beim damaligen Außenminister Mock vorstellig wurden, mit dem Vorschlag, Österreich möge sich im Sinne eines teilweisen Ausgleichs für eine UN-Agentur zur Entwicklung der Solarenergie einsetzen, schien er von der Idee recht eingenommen. Geschehen ist, wie üblich, nichts. Seit dreißig Jahren warnen AKW-Gegner auch vor der Gefahr terroristischer Anschläge auf Atominstallationen. In der Debatte um Zwentendorf wurde das Argument mit einer Handbewegung vom Tisch gewischt. Seit dem 11. September ist es aktueller denn je. Die Verknüpfung der Sachfrage Temelín mit den Benes-Dekreten ist eine weitere Ungeheuerlichkeit in totaler Verkennung historischer Tatsachen. Im Gegensatz zur Solidarität Österreichs mit der "Samtenen Revolution" 1968 ist sie dazu angetan, Konflikt und Hass zu schüren. Tschechien kann die Dekrete nicht widerrufen, weil dies unabsehbare und nicht erfüllbare Forderungen nach sich zöge. Als Flüchtling (1945 aus Reichenberg/Liberec) käme es mir grotesk vor, nach 56 Jahren das Erbe meiner Mutter einzufordern: Die dritte Generation Tschechen lebt heute dort. Fehlgeleiteter Ärger Wer guten Willens ist und auf nachbarliche Verständigung Wert legt, wird die zunehmende Kritik von Tschechen an dem an den Sudetendeutschen begangenen Unrecht hören - nicht nur seitens einiger Intellektueller wie Havel oder Kohut. Wird wissen, dass etwa die Studenten der Brünner Hochschule von ihrem Bürgermeister gefordert haben, Stellung zu nehmen und den Brünner Todesmarsch zu verurteilen. Was mehrfach geschah. Gewiss haben die Tschechen
auch Lidice nicht vergessen oder die demütigende Behandlung, unter der
sie noch in der Monarchie zu leiden hatten. Bitteres Unrecht geschah auf
beiden Seiten. Und auf bei den Seiten wünscht sich die Mehrheit der Bevölkerung
ein friedliches Miteinander in gegenseitigem Respekt. Meinen Temelín kritischen
Freunden sage ich daher auch, dass Ärger auf die oft höchst unbefriedigende
Handhabung österreichischer Positionen durch die tschechischen Verhandler
fehlgeleitet ist. Das Versagen unserer Bundesregierung und das dauernde
Schüren antitschechischer Ressentiments verdienen viel eher unsere Ablehnung. Warum sind Pannen im AKW Temelin so häufig? Das AKW Temelin hat
mehr als 20 größere Störfälle seit dem Beginn des Probebetriebs zu verzeichnen.
Da stellt sich die Frage, warum die Pannen so häufig auftreten. Der hohe
Standard des tschechischen Ingenieurwesens verbietet eine populistische
Anwort. Die allgemein gehaltenen offiziellen Aussagen helfen kaum weiter.
Weiterwursteln hilft nichts, zu komplex sind die dynamischen Phänomene, mit denen man es bei starken Schwingungen zu tun hat. So können dabei kleine Änderungen des Betriebszustandes der Maschine zu sprunghaften Änderungen der Schwingungsstärke führen. Nun kam es im April bei laufendem Betrieb zu einer ernsten Beschädigung der Turbine, was eine längere Abschaltung erforderlich machte. Nach Medienberichten soll dabei eine Schwingungsfortleitung durch den Boden in die benachbarte Leitzentrale aufgetreten sein, wo Flüssigkeit aus Behältnissen geschwappt sei. Eine Erschütterung dieser Stärke würde bedeuten, dass das Turbinenversagen ein lokales Erdbeben erzeugt hätte, welches zur Beeinträchtigung von elektrischen Anlagen und Computern geführt haben könnte. Bei späteren Schadensfällen wurde übrigens vom Auftreten von Fehlern bei "Regulatoren" und in der Software berichtet. Über den Sommer wurde die Turbine repariert. Dabei scheint es gelungen zu sein, das Schwingungsverhalten zu verbessern, sodass die Leistung des Kraftwerkes gesteigert werden konnte. Es wurden dann "dynamische" Tests durchgeführt, von denen aber nicht alle erfolgreich abgeschlossen worden sein sollen. Dazu ist zu sagen, dass die Turbine zumeist mit konstanter Betriebsdrehzahl läuft. Die Stärke eventuell auftretender Schwingungen hängt von der Drehzahl ab. Banale elektrotechnische Gründe, die nichts mit dem nuklearen Kreislauf zu tun haben, können dazu führen, dass die Turbine außerhalb der Betriebsdrehzahl rotiert. Dabei kann sie sich schwingungstechnisch ungünstiger verhalten als bei der Betriebsdrehzahl. Sollten nun bei den dynamischen Tests neuerlich starke Schwingungen aufgetreten sein, so wäre das sehr bedenklich, weil eine wichtige Ursache gehäufter Pannen weiterhin gegeben wäre. Aufklärung kann nur im Diskussionsweg, also im Melker Prozess, erhalten werden. Obwohl sich Europa
in Zukunft aus der Kernkraft zurückziehen wird, darf auf den Melker Prozess
nicht verzichtet werden. Die Tschechen versuchen ja, das Atomkraftwerk
ans Netz zu bringen. Aus Sicht eines Ingenieurs muss durchaus befürchtet
werden, dass es sich dabei um einen verzweifelten Versuch handelt, der
jedenfalls in nachbarschaftlichen Gesprächen diskutiert werden sollte. 19.11.2001:
Regierungsexperte: Nachrüstung Temelins machbar Die Beseitigung der Sicherheitsmängel im tschechischen Atomkraftwerk Temelin sei technisch machbar, sagte der Risikoforscher Bernhard Kromp von der Universität Wien, der Leiter des österreichischen Expertenteams für die Sicherheitsprüfung des AKW im Rahmen des Melker Prozesses, heute im EU-Parlament. Es bedürfe allerdings einer umfangreichen Analyse und danach müsse geklärt werden, ob diese Nachbesserung wirtschaftlich sinnvoll sei. Eine Schließung Temelins
zum Ziel zu nehmen sei "nicht realistisch", sagte die SPÖ-Europaabgeordnete
Maria Berger am Rande der von ihr gemeinsam mit der ÖVP-Abgeordneten Marielies
Flemming organisierten Expertenanhörung. Daher sollte man danach trachten,
für Temelin möglichst hohe Sicherheitsstandards zu erreichen. Flemming:
Blockade möglich Auch Flemming räumte vor Journalisten ein, dass jedes
Land seine Energieversorgung selber definieren dürfe. Das sei seit langem
ein von Österreich forcierter Grundsatz, erinnerte sie. Zugleich sagte
sie in der Anhörung, Österreich könne dem Abschluss des Energiekapitels
mit Tschechien nicht zustimmen, so lange es noch Sicherheitsbedenken geben. 19.11.2001:
ÖVP-Zentrale weiterhin vom Umweltschützern besetzt Ttl.: GLOBAL
2000 und Greenpeace gegen Temelin-Mogelpackung der Regierung.
Kronberger: EU-Parlament gegen AKW-freie Zukunft Utl.: EVP und Teile der PSE
bestärken Rolle der Kernenergie Als "Rückschlag für eine atomkraftfreie
Zukunft in Europa" bezeichnete der EU-Parlamentarier und Energieexperte
Hans Kronberger die heutige Abstimmung über das Grünbuch zur Energieversorgungssicherheit
in der Europäischen Union, in dem die Atomenergieanträge durchgingen. Tschechen erscheinen als Monster, Österreicher als Egoisten . Prag - Pavel Kohout
(73), einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Europas,
beschäftigte sich vorigen Freitag auf der tschechisch-österreichischen
Konferenz in Stirin bei Prag mit dem Verhältnis der beiden Länder. PRESSEAUSSENDUNG VEREIN "GEMEINSAM FÜR SONNE
UND FREIHEIT" Die Aussagen von BM Molterer können nicht unwidersprochen bleiben. Er
unterstellt darin indirekt dem Temelín- Widerstand ein inakzeptables Anliegen
zu verfolgen. Inakzeptabel scheint in diesem Zusammenhang aber vielmehr
das Bremsen der Bundesregierung zu sein. Eine klare Mehrheit der österreichischen
Bevölkerung lehnt AKWs ab, auch die Kritik in Tschechien am Temelin-Projekt
nimmt zu. Darüber hinaus bestätigen auch Experten, dass in Temelín vieles
nicht ordnungsgemäß abgelaufen ist. Es geht daher überhaupt nicht um die
Erpressung eines souveränen Staates. Es geht aber sehr wohl darum, dass
es Aufgabe unserer Politik ist, von sich aus Handlungen zu setzen, die
zu einer Lösung ohne Temelín führen. Auszüge im Wortlaut - Temelin-Bericht von Umweltminister Wilhelm Molterer an die vier Parlamentsparteien
berichtet auf drei Seiten über den "Melker Prozess". Zentrale Passagen
im Wortlaut: "Hinsichtlich des Trialogs zu Sicherheitsfragen (Safety Issues)
ergab sich aus österreichischer Sicht folgendes Ergebnis: Einige der 29
von Österreich thematisierten offenen Sicherheitsfragen konnten geklärt
werden, einige werden einer weitergehenden Erörterung im bilateralen Rahmen
bedürfen. Bei sieben wesentlichen Sicherheitsfragen bestehen jedoch nach
wie vor Auffassungsunterschiede. Aus österreichischer Sicht ist die Notwendigkeit
ganz konkreter Maßnahmen für das KKW evident." "Falls die Tschechische
Republik an der Inbetriebnahme des KKW Temelin festhält, sind - wie oben
ausgeführt - aus österreichischer Sicht sieben Maßnahmen-Bereiche zur
Reduktion des Risikos einer radioaktiven Belastung der österreichischen
Bevölkerung und der Umwelt relevant: - Integrität des Reaktordruckbehälters
- Thermoschock-Analyse - Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung - Qualifikation
sicherheitsrelevanter Komponenten - Erdbebengefährdung des Standortes
- 28.8 m Bühne - Funktionale Qualifikation von sicherheitsrelevanten Ventilen
- Containmentintegrität unter Unfallbedingungen Temelin: Neue rechtliche "Hoffnungen" der Atomgegner Kreisamt Budweis
hob in einem Fall Genehmigung für Bauänderung auf Linz - Neue rechtliche
"Hoffnungen" im Kampf gegen das umstrittene südböhmische Kraftwerk Temelin
schöpfen jetzt die Atomgegner. Das Kreisamt Budweis hob - als zweite Instanz
- in einem Detailbereich jetzt die Genehmigung für eine nachträgliche
Bauänderung auf. Die Atomgegner sehen darin einen Präzedenzfall für einen
Großteil der insgesamt mehr als 4.000 nachträglichen Projektänderungen
beim AKW Temelin. "Aktive Hilfsbetriebe" Es geht laut einer Aussendung
der Plattform gegen Atomgefahr vom Dienstag um eine Genehmigung für bauliche
Veränderungen im Bereich der so genannten "aktiven Hilfsbetriebe" des
AKW. Dort erfolgt die Behandlung und Zwischenlagerung von Atommüll. In
erster Instanz hatte das Bezirksamt Budweis diese Projektänderung - "klammheimlich"
(Plattform-Sprecher Josef Pühringer) - genehmigt. Dagegen hatten diverse
tschechische Bürgerinitiativen Einwand erhoben und Berufung eingelegt.
Genehmigung aufgehoben Jetzt habe das Kreisamt Budweis als übergeordnete
Instanz die Genehmigung aufgehoben. Pühringer: "Es ist davon auszugehen,
dass eine Reihe weiterer nachträglicher Bau- und Änderungsgenehmigungen
zu Temelin nicht vorhanden sind oder grobe Mängel aufweisen". Temelin
sei also "in weiten Bereichen offensichtlich ein Schwarzbau ohne hieb-
und stichfeste Genehmigungen". Mehr als 4.000 Projektänderungen in Temelin
"sollten auf diese Weise nachträglich behördlich kaschiert werden oder
im endgültigen Kollaudierungsverfahren zurechtgebogen werden". Durchbruch
Außerdem stelle diese Entscheidung des Kreisamtes Budweis juristisch gesehen
einen Durchbruch dar, so Pühringer gegenüber der APA: "Erstmals muss jetzt
der Temelin-Betreiber CEZ den Nachweis erbringen, dass die Errichtung
eines Gebäudes, nämlich jenes der aktiven Hilfsbetriebe, im Zusammenhang
mit dem AKW im öffentlichen Interesse ist". Österreich und die EU seien
jetzt dringend aufgerufen, auch das "genehmigungsrechtliche Chaos zu Temelin
überprüfen zu lassen, neu aufzurollen und einen sofortigen Betriebsstopp
Temelins einzufordern, so lange die genehmigungsrechtlichen Prozesse zu
Temelin einen derart mangelhaften Stand haben", so die Aussendung der
Plattform. Reaktionen Der Klubobmann der Grünen im oberösterreichischen
Landtag, Rudi Anschober, sprach in einer Reaktion auf die Entscheidung
des Kreisamtes Budweis ebenfalls von einem "Beweis für die Mangelhaftigkeit
der Temelin-Verfahren". Es handle sich um einen "wichtigen rechtlichen
Teilerfolg, der aber ein bezeichnendes Licht auf die Qualität der bisherigen
Genehmigungsverfahren wirft". Der Klubobmann der SPÖ im Oberösterreichischen
Landtag, Karl Frais, kritisierte in einer Aussendung am Dienstag die Aussagen
von Umweltminister Molterer in der Tageszeitung "Die Presse", dass Tschechien
das Recht habe, "über seine Energieträger selbst zu entscheiden". Es handle
sich um "Beschwichtigungen", so Frais, der hinzu fügte: "Politische Verantwortung
für die Interessen und Sorgen der österreichischen Bevölkerung wird auf
diese Weise nicht wahrgenommen, ein Skandal, über dessen Tragweite sich
die Herren in Wien offenbar nicht im klaren sind". (APA) Greenpeace: Sicherheit statt Schummelklausel zu Temelin Utl: Molterer muss
hart bleiben und Energiekapitel nicht vorzeitig abschließen Wien (OTS)
- Nach Vorlage des Berichts zum Melker Prozess fordert die Umweltorganisation
Greenpeace Umweltminister Molterer heute auf, in den Verhandlungen mit
Tschechien wegen des AKW Temelin hart zu bleiben und das Energiekapitel
nicht vorzeitig abzuschließen. "Die Österreicher würden es dem Minister
nie verzeihen, wenn er den Melker Prozess vorzeitig abschließt nur um
den EU-Fahrplan von Nizza auf Kosten der Sicherheit zu erfüllen. Die Österreicher
würden auch ein Trickmanöver mit einer Schummelklausel leicht durchschauen",
sagte Greenpeace-Energiesprecher Erwin Mayer. Greenpeace interpretiert
die gestrigen Aussagen von Minister Molterer so, dass er das Energiekapitel
mit Tschechien noch in diesem Jahr abschließen will. Nicht
nur dass Jinzaburo Takagi sein Krebsleiden, wie sonst in Japan üblich,
nicht verschwieg. Bis zu seinem letzten Tag empfing der Träger des alternativen
Nobelpreises ("Right Livelyhood Award") jeden, der an sein Sterbebett
treten wollte. Zu ihnen sprach Japans bekanntester Atomkritiker wie immer:
konzentriert, präzise, engagiert, nur um seine Besucher höflich, aber
bestimmt zurück ins Leben zu schicken, wo er "die Verwirklichung einer
atomfreien Gesellschaft" immer noch für möglich hielt. Takagi sah sich
als modernen Aufklärer, sein Ideal öffentlicher Vernunft entlieh er frühzeitig
bei Jürgen Habermas. Dabei wich der habilitierte Nuklearchemiker bis zum
Schluss nicht von seinen Themen ab: der Gefahr der Plutoniumwirtschaft
und dem möglichen Atomausstieg. Darüber verfasste er vierzig populärwissenschaftliche
Bücher, und über Jahrzehnte, so schien es, nahm er an jeder Demonstration
gegen Atomkraft in Japan teil. Es gab Zeiten, da wirkte sein Leben wie
ein Alleingang. Erst nach Tschernobyl kam der Erfolg. 25 Jahre leitete
Takagi das von ihm 1975 mit begründete "Citizen Nuclear Information Center"
in Tokio. Inzwischen ist ein großer Teil der japanischen Bevölkerung kritisch
gegenüber Atomkraftwerken eingestellt, und niemand hat mehr dazu beigetragen
als der Mann, der die vielen japanischen Atomunfälle der letzten Jahre
mit der gleichen Präzision vorhersagte wie seinen eigenen Tod. Jinzaburo
Takagi verstarb am Sonntag im Alter von 62 Jahren. bearbeitet by uwe,
2000-10-10 Umwelt- und Anti-Atomgruppen zum nächsten Gespräch einladen Wien (OTS) Die Nichteinigung
der Parteien über die weitere Strategie zum AKW Temelin zeugt von der
Orientierungslosigkeit der Bundesregierung, kritisiert die Umweltorganisation
Greenpeace. Scharf wendet sich Greenpeace gegen die Entscheidung von ÖVP-
Klubobmann Andreas Kohl, die Anti-Atom- und Umweltorganisationen nicht
zum Gespräch einzuladen. "Die ÖVP fürchtet offenbar den kritischen Gegenwind
der Atomgegner. Kohls Demokratieverständnis zeugt eher von Ausgrenzung
als von Einbeziehung derjenigen, die eine andere Meinung vertreten", stellt
Petri fest. An die FPÖ richtet Greenpeace die Aufforderung, ihre Mäander-Strategie
zwischen Veto und Nicht-Veto zu beenden und im Ministerrat einen verbindlichen
Beschluss zu erreichen, um den vorzeitigen Abschluss des Energiekapitels
mit Tschechien zu verhindern. Außerdem will Greenpeace, dass der österreichische
Expertenbericht als offizielles Dokument in die weiteren Verhandlungen
mit Tschechien einbezogen wird. Die Umweltorganisation warnt außerdem
vor einem zu schnellen Abschluss des Energiekapitels mit der Slowakei
wegen dem AKW Bohunice im Hintergrund des Temelinproblems. Greenpeace
fordert Umweltminister Wilhelm Molterer auf, den im Vier- Parteien-Gespräch
vereinbarten Bericht zum Verhandlungsstand mit Tschechien und zu den offenen
Sicherheitsfragen auch den Anti- Atomgruppen und Umweltorganisationen
zukommen zu lassen. "Wichtiger Bestandteil dieses Berichts muss jedenfalls
auch der erst kürzlich veröffentlichte österreichische Expertenbericht
sein", fordert Petri. Weiters verlangt Greenpeace eine schriftliche Zusage
der Bundesregierung, dass das Energiekapitel mit Tschechien zumindest
bis zum nächsten Treffen der Parteien am 12. November offen bleibt. Zu
diesem Termin erwartet Greenpeace auch eine Einladung an die Vertreter
der Anti-Atom-Gruppen und die Umweltorganisationen. "Das Energiekapitel
mit Tschechien darf nicht abgeschlossen werden, bis eine Einigung erzielt
und das Polit-Desaster beendet ist", so Petri. Zuletzt warnt die Umweltorganisation
vor einem klamheimlichen vorschnellen Abschluss des Energiekapitels mit
der Slowakei in den nächsten 3 Wochen, solange kein wirklich völkerrechtsverbindlicher
Vertrag bezüglich der endgültigen Schließung der beiden älteren Reaktoren
des AKW Bohunice vorliegt. "Die Schließung von Bohunice muss von einem
möglichen Regierungswechsel in der Slowakei unabhängig gemacht werden.
Die Bundesregierung darf das große mediale Interesse zu Temelin nicht
dazu benutzen, um inzwischen das Problem Bohunice vom Schreibtisch zu
wischen", schloss Petri. Rückfragehinweis: MMag. Franko Petri, Pressesprecher
Greenpeace, Tel. 0676-5147246 Mag. Erwin Mayer, Energieexperte Greenpeace,
Tel. 0664-2700441
Nach europäischer Genehmigungspraxis dürften weder Temelín Block I noch Block II betrieben oder auch nur mit Brennstoff beladen werden, bevor oben genannte Unsicherheiten, insbesondere betreffend die
Integrität des Reaktordruckbehälters, Es kann somit bislang
nicht als nachgewiesen betrachtet werden,
daß die nukleare Sicherheit des AKW Temelín dem Stand
der Technik, wie er in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union
zur Anwendung kommt, entspricht. Die erforderlichen Analysen können zwar
innerhalb eines Jahres durchgeführt werden, um allerdings zu den Schlüsselfragen
wie Reaktordruckbehälterversprödung, Leitungsführung am +28,8 m-Niveau
, Containmentintegrität und Erdbebensicherheit den (möglicherweise erheblichen)
materiellen und zeitlichen Aufwand abschätzen zu können, ist das Vorliegen
der Ergebnisse der angesprochenen Analysen unabdingbar. gesamte Studie Hompage
Umweltbundesamt Newsletter
des Umweltinstitut München e.V. vom 19. Oktober 2001 In dieser Woche handelten
das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bayerische
Staatsregierung die Vereinbarung aus, den Garchinger Forschungsreaktor
FRM-II für zehn Jahre mit atomwaffenfähigem, hochangereichertem Uran (HEU)
als Brennstoff in Betrieb gehen zu lassen. Das Umweltinstitut München
e.V. verurteilt diesen Schritt, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen
weltpolitischen Lage. In einem offenen Universitätsbetrieb mit Studenten
aller Nationalitäten stellt diese Vereinbarung ein nicht vertretbares
Risiko für den Diebstahl von atomwaffenfähigem Brennstoff dar. Dass dies
möglich ist, wurde vor kurzem in Karlsruhe bewiesen. Die vollständige
Presseerklärung finden Sie auf unserer homepage unter: www.umweltinstitut.org/pr200110182
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